Konzert am Freitag, 23. Mai
„Musik am Dresdner Hof und der Beethoven des 17. Jahrhunderts"
Heinrich Schütz (1585–1672)
Salmos de David
»Warum toben die Heiden« SWV 23
Carlo Farina (aprox. 1604–1639)
Sonata a 3 detta »La Polaca«
»Jauchzet dem Herrn, alle Welt« SWV 36
»Ich heb meine Augen auf zu den Bergen« SWV 31
»Singet dem Herrn ein neues Lied« SWV 35
Giovanni Gabrieli (aprox. 1555–1612)
»Lieto godea sedendo« per 8 strumenti
»Ich danke dem Herren von ganzem Herzen« SWV 34
– Intermedio –
»Aus der Tiefe ruf ich, Herr, zu dir« SWV 25
Carlo Farina
Sonata a 3 detta »La Semplisa«
»An den Wassern zu Babel sassen wir und weinten« SWV 37
»Lobe den Herrn, meine Seele« SWV 39
»Der Herr ist mein Hirt« SWV 33
Giovanni Battista Buonamente (Fines del siglo 16 –1642)
Sonata a 6
»Danket dem Herren, denn er ist freundlich« SWV 32
Johann Vierdanck
Capriccio a 2 (1641) |
BALTHASAR NEUMANN ENSEMBLE
1991 gründete Thomas Hengelbrock den Balthasar-Neumann-Chor und 1995 das Balthasar-Neumann-Ensemble mit hervorragenden Vokalsolisten und Interpreten. Der Chor ist der ideale Klangkörper für Kompositionen alter Musik, wie zum Beispiel der Marienvesper von Monteverdi, bis hin zur Musik des 21. Jahrhundert. Die beiden Ensembles arbeiten viel zusammen und das Ergebnis sind ungewöhnliche Programme für Konzerte und kreative Theaterproduktionen unter Szenedirigenten wie Achim Freyer, Phillipe Arlaud oder Thomas Hengelbrock selbst.
Das Ensemble und Thomas Hengelbrock wurden berühmt durch die Wiederentdeckung vergessener Werke und die Neuinterpretation bereits bekannten Repertoires. Sie präsentieren innovative Projekte mit der Kombination von Musik und Rezitation, Theaterwerk und Tanz. Der Chor und das Ensemble wirken zusammen mit Schauspielern wie Graham Valentine und Klaus Maria Brandauer. Große Erfolge feierten sie in der Nationaloper Paris und den Salzburger Festspielen.
Tobias Hiller
Dirigent
Tobias Hiller wurde 1966 in Waldkirch (Breisgau) geboren und studierte in Freiburg Schulmusik (mit den Schwerpunkten Gesang, Oboe und Dirigieren), Geographie und Geschichte, sowie Chor- und Orchesterleitung an der Musikhochschule Frankfurt/Main bei Prof. Wolfgang Schäfer. Als professioneller Chorsänger (z.T. auch als Solist) sang er unter Gielen, Inbal, Herreweghe, Koopman, Leonhardt, Hengelbrock, Eötvös, Bolton u.a., als Ensemblesänger im Orlando di Lasso Ensemble war er von 1991-2001 vor allem im Bereich Alte Musik tätig.
Im Rahmen seiner Lehrtätigkeit als Solfègelehrer an der Musikhochschule Freiburg dirigierte er diverse Uraufführungen am Institut für Neue Musik. Als ständiger Leiter diverser Ensembles in Deutschland und der Schweiz erarbeitete er ein weitgespanntes Konzertrepertoire. Neben einer regelmäßigen Dozententätigkeit bei Kursen für Chorleitung und Ensemblegesang in ganz Deutschland führten ihn seit 2005 Gastdozenturen nach Brasilien und in die USA.
1999 wurde Tobias Hiller zum Universitätsmusikdirektor nach Tübingen berufen. Seither folgte er mit seinen Ensembles Einladungen in zahlreiche europäische Länder, nach Marokko, China, Brasilien und den USA. Beim 40. Internationalen Chorwettbewerb 2003 in Spittal an der Drau/AU Anfang Juli errang er mit dem Kammerchor Camerata vocalis den dritten Preis in der Kategorie Kunstlied (zugleich als bester europäischer Chor). Im Sommer 2005 eröffnete er mit Brittens War Requiem das Europäische Kirchenmusikfestival Schwäbisch Gmünd. Als Gastdirigent konzertierte er mit Chören und Orchestern in Frankreich, Tschechien, der Schweiz und den Vereinigten Staaten. Einstudierungen führten zur Zusammenarbeit mit dem Bachfest Leipzig, dem Kunstfest Weimar, dem Schleswig-Holstein-Musikfestival u.a.
Einige Chorkompositionen von Tobias Hiller sind auf CD-Aufnahmen der Camerata vocalis dokumentiert, die in Zusammenarbeit mit dem SWR in den letzten Jahren entstanden: Musikalische Mörikekommentare auf einer CD zum 200. Geburtstag von Eduard Mörike (2004, Sprecher: Christian Brückner) Engelstriptychon auf der CD „Engelsgesänge“ (2006). Seine Vervollständigung des 3. Satzes von Schuberts „Unvollendeter“ wurde 2004 in den Schubert-Perspektiven veröffentlicht.
Diskografie
• Pier Francesco Cavalli: „La Didone”
Leitung: Thomas Hengelbrock DHM 05472 77354 2
• Antonio Tolti, „Réquiem”, „Credo”, „Misere”
Leitung: Thomas Hengelbrock DHM 05472 77507 2
• „Fiesta teatrale – Carnival in Venece and Florence”
Maskeraden, Ballette und Karnevalszenen von Monteverdi, Vecchi, etc.
Leitung: Thomas Hengelbrock DHM 05472 77520 2
• Johann Sebastián Bach, Psalm 51/ Antonio Scarlatti y Francesco Durante, Concerti
Maya Bogo, Sopran / Michael Chance
Leitung: Thomas Hengelbrock DHM

Balthasar Neumann Chor & Ensemble
Mexiko 2008
Musik am Dresdner Hof und der Beethoven des 17. Jahrhunderts
Psalmen Davids von Heinrich Schütz und Instrumentalmusik seiner Zeitgenossen
Befragt man die deutsche Musikgeschichte nach Komponisten, die das Schaffen ihrer Zeitgenossen so fundamental beeinflussten, dass dies den Beginn einer neuen Epoche bedeutete, müssen drei Namen genannt werden: Heinrich Schütz, Ludwig van Beethoven und Richard Wagner. Während Wagner mit seinem Tristan-Akkord die klassische Dur-Moll-Harmonik auflöste und so die Moderne „Luft von einem anderen Planeten“ spüren ließ und Beethoven mit der Abkehr von der Nachahmungsästhetik die Grundlage für die absolute Musik der Romantik schuf, brachte Heinrich Schütz die um 1600 fundamental gewandelte Musik Italiens über die Alpen und legte in Deutschland den Grundstein für ein affektbezogenes und rhetorisches Musikverständnis: der Wandel von der Renaissance zum Barock war eingeläutet.
Bereits im Alter von 30 Jahren wurde Heinrich Schütz als Musikdirektor am Hof des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. engagiert und übernahm damit die Leitung einer der angesehensten und größten Hofkapellen des protestantischen Deutschland. Noch in den ersten Amtsjahren veröffentlichte er sein kirchenmusikalisches Meisterstück, die „Psalmen Davids“, mit denen er Bilanz aus seiner Lehrzeit in Italien bei Giovanni Gabrieli zog. Mit seiner Sammlung vielfach doppelchöriger und mit großem Instrumentalensemble angelegten Psalmvertonungen führte er auf unterschiedlichste Weise moderne Kompositionstechniken vor, die „biß Dato in Teutschland fast unbekandt“ gewesen waren. Mit den „Psalmen Davids“ erschloss Heinrich Schütz seinen Zeitgenossen eine neue kompositorische Ausdruckswelt, deren Folgen für die deutsche Kirchenmusik des Barock kaum zu überschätzen sind.
Im Zentrum des Konzertprogramms steht eine Auswahl der Davids-Psalmen und weiterer Kompositionen von Heinrich Schütz. Sie erklingen zusammen mit Instrumentalwerken aus der Feder von Giovanni Gabrieli, dem Dresdner Hofgeiger Francesco Farina und dessen Lehrer Giovanni Battista Buonamente.
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